Radio DRS sucht für eine Radio-Sendung Scheidungskinder, die über ihre Erfahrungen reden möchten, anonym wenn erwünscht. Infos und Kontakt (unverbindlich!) via: sabine.luethy@srdrs.ch
Ich war 8 oder 9 als meine Eltern sich trennten! Meine mutter konnte einfach nicht mehr, denn mein Vater hat uns auch geschlagen und nur immer dumm über meine Mutter geredet. Er war nie dankbar. Er schrie fast nur immer und am Tisch durfte man kein Wort sagen. Ich hatte grosse Angst. Dann als meine Mutter sich trennte zogen wir, also meine ältere schwester, meine Mutter und ich in Mutters Elternhaus welches etwa 50m weitweg von meinem Vater lag. Er kam zu uns, bedrohte meine Mutter, er werde uns alle ermorden und so. Meine Schwester und ich bekamen das heimlich mit als wir ein Geschrei hörten und die treppe runterblickten. Wir hatten grosse Angst. Aber ich - die jüngste - hatte doch Kontakt zu ihm bis jetzt obwohl ich eigentlich Angst vor ihm habe. Ich denke bis heute, dass ich nur zu ihm gehe damit er meine Familie in Ruhe läasst. Und das mache ich jetzt schon seit 5 Jahren so. Ich binn jetzt 14 Jahre alt. Die Scheidung ist noch nicht durch. Ich habe Unterstützung von einer Sozialpädagogin, sie hilft mir und sie versteht mich. Es ist eine schwierige Zeit für mich. Jetzt da alles wieder ins Rollen kommt. Ich hoffe es ist bald vorbei.
Meine Schwester will nichts mehr von meinem Vater wissen, was ich auch ganz gut verstehe. Aber ICH ich kann mir selber nicht erklären was ich will. Ich bräuchte ihn nicht, ich könnte auch ohne ihn leben. Aber ich weiss manchmal einfach nicht was tun.
Wir alle litten unter ihm, er hat uns so viel seelischen Schmerz zugefügt.
Meine Mutter hat mal zu mir gesagt ob ich mich noch erinnern kann wie ich draussen vor dem Haus manchmal geweint habe. Ich verneinte. Darauf erklärte sie dass ich immer gesagt habe: "Warum Mami, warum hast du diesen bösen Mann geheiratet?!"
Ich kann mich noch gut erinnern: Wenn wir weinten drohte er uns mit einem Bambusstock und sagte, dass wenn wir nicht ruhig sind schlägt er uns. Bis heute fällt es mir schwer zu weinen da ich früher die Tränen auch meistens unterdrückt habe. :( Ich freue mich auf den Tag an dem alles vorbei ist wenn der Tag kommt werde ich euch berichten wie es gelaufen ist.
Marina E.


Die Scheidung meiner Eltern hat vieles geändert. Ich fühlte mich verantwortlich für meine kleine Schwester, die damals gerade mal fünf Jahre alt war. Ich versuchte so oft es geht, eine Ersatzmutter für sie zu sein, bis sie begonnen hat, mir selber "Mami" zu sagen. Zu diesem Zeitpunkt merkte ich nicht, was ich für eine Aufgabe auf mich nahm - freiwillig? - jedoch hat mir niemand gesagt, was ich da alles mache. Mir war es unbewusst. Vielleicht half es mir selber, die Zeit nach dem Auszug von Pappi zu überstehen. Mit erstaunlich wenig Tränen bin ich nun ein paar Jahre älter geworden.
Zurückblickend kann ich nicht sagen, dass die Scheidung nur Negatives mit sich bringt. Klar, die Eltern leben nicht mehr zusammen, sie streiten sich überall wo es nur geht, sie benehmen sich schlimmer als kleine Kinder, sie nehmen ihre eigenen Kinder als Übermittler von Nachrichten um ein gegenseitiges Kommunizieren überhaupt möglich machen zu lassen und sie erscheinen nicht mehr zusammen an schulischen oder sonstigen Anlässen der Kinder. Das positive an der Scheidung bemerkt man vielleicht gar nicht oder bezieht es nicht darauf.
Ich denke, ich bin selbständiger geworden, komm mit Problemen besser klar, kann Verantwortung übernehmen und gehe stärker an Konflikte ran.
Vor fünf Jahren hätte ich alles getan, dass mein Vater wieder bei uns wohnt und meine Eltern sich gut verstehen. Heute komm ich gut klar mit der Situation und hab mich daran gewöhnt, meinen Vater nicht mehr so oft zu sehen. Der ständige Streit zwischen meinen Eltern ist massiv zurückgegangen, was bei einem längeren Zusammenleben sicher nicht der Fall gewesen wäre.
D. M.


Ich war 12 Jahre alt und allein mit meinen Vater zu Hause, als er mit einer bepackten Tasche zu mir in das Wohnzimmer kam und mir mitteilte, er werde ausziehen. Das hat er dann auch getan und mich völlig im Schock in der Wohnung allein gelassen. Meine Mutter war auf der Arbeit und wusste nichts davon. Als sie durch mich davon erfuhr, drehte sie fast durch. Wie mir damals zumute war, weiss ich nicht mehr. Vielleicht will ich mich auch gar nicht mehr daran erinnern, weil es sehr weh tat. Meine Mutter informierte daraufhin natürlich auch den Klassenlehrer von der "neuen" familiären Lage. Schliesslich hatte mein Vater damals gleich noch das ganze Konto geplündert und uns regelrecht auf dem Trockenen sitzen gelassen. Mein Klassenlehrer kümmerte dies allerdings wenig. Das Einzige, um was er sich kümmerte, war meiner Mutter mitzuteilen, dass meine Noten schlechter geworden waren. Dass daran die familiäre Situation schuld war, interessierte ihn nicht. Vielmehr sorgte er dafür, mir wegen der schlechten Noten das Leben noch etwas schwerer zu machen.. Kurze Zeit darauf mussten wir aufgrund es leeren Kontos Sozialhilfe beziehen, was für uns sehr demütigend war. Ich habe mir damals geschworen, alles zu tun, um nie zum Sozialfall zu werden oder von irgend jemanden finanziell abhängig zu sein! Nach der Mittelschule habe ich die Handelsschule besucht und dank einer freundlichen und hilfsbereiten Juristin eine Praktikumsstelle in einer Versicherung bekommen. Dort konnte ich dann auch nach dem Abschluss bleiben und mich beruflich weiter entwickeln. In der Zwischenzeit bin ich Sekretärin, habe einen Auslandsaufenthalt hinter mir, ein eigenes Auto und eine zusätzliche Kaderausbildung absolviert. Alles alleine bezahlt! Auch meiner Mutter geht es in der Zwischenzeit wieder sehr gut. Meinen Vater sehe ich nicht mehr. Obwohl er damals vom Gericht einmal pro Woche das Besuchsrecht erhielt, weigerte ich mich bereits nach dem zweiten Mal ihn nochmals zu sehen. Er benutze nämlich die Besuchstage um meine Mutter schlecht zu machen. Das hing mir dann aus.
M. C.


Es ist schon viele Jahre her, da wurden meine Brüder, Schwestern und ich an den Tisch zitiert. Mein Vater sagte, dass er ausziehen wird. Für mich war dies ein riesen Schock! Von den Streitereien habe ich nichts mitbekommen, ausser, wenn ich Nachts nicht schlafen konnte und die beiden beim Streiten erwischte. Für meine Geschwister war es - glaube ich - schlimmer, sie haben ja nichts davon gemerkt.
Jedes zweite Wochenende durften wir zu unserem Vater. Ich freute mich immer 2 Wochen lang auf dieses Wochenende. Wir haben Ausflüge mit ihm gemacht und er hat uns vieles erlaubt was wir bei unserer Mutter nicht durften.
Eines Tages verliebte sich mein Vater. Und ab dann war das Leben als Scheidungskind definitiv nicht mehr schön. Seine Freundin war so eifersüchtig, dass er keinen Kontakt mehr mit unserer Mutter haben durfte und meine Eltern sich dann auch scheiden lassen mussten.
Als sich das langsam gelegt hat (Jahre später), ist er mit ihr zusammengezogen. Die ganze Wohnung ist voll mit ihren Sachen und sie ist auch immer dort. Jetzt fühle ich mich nicht mehr wohl bei ihm, was ich sehr schade finde. Er ist doch mein Vater.
H. A.


Ich heisse Isabelle und habe noch eine Schwester. Als sich meine Eltern trennten, habe ich das zunächst nicht so richtig wahrgenommen. Ich dachte, dass dies nur eine vorübergehende Phase ist, was sich dann später als falsch erwiesen hat. Leider!
Ich glaubte fest daran, dass mein Vater wieder zu uns ziehen wird (meine Eltern waren ja noch nicht geschieden, sondern nur getrennt). Das hat er jedoch nicht getan. Und als mir meine Mutter verkündete, sie werde sich von meinem Vater scheiden lassen, ist für mich meine kleine heile Welt in einem kleinen Augenzwinkern zusammengerochen. In diesem Moment empfand ich nur noch Hass auf meine Eltern, besonders auf meine Mutter, da sie diejenige war, welche sich hat scheiden lassen wollen. Für mich war die Scheidung absolut nicht verständlich! Meine kleine Schwester war noch zu klein, um überhaupt etwas zu verstehen.
Während dieser Scheidungszeit hat mich dann aber vor allem mein Vater zu Verständnis gebracht. Er sagte mir immer wieder, dass sich er und meine Mutter zu sehr auseinander gelebt haben und sich so eine Zukunft der Beziehung nicht mehr vorstellen konnten.
Wenn ich heute zurück blicke, dann bin ich sogar froh, dass sie sich geschieden haben. Sie kommen jetzt auf freundschaftlicher Basis super zurecht und ich bin glücklich.
Isabelle



Ich war 9 und so wirklich überraschend kam die Scheidung nicht. Meine Eltern haben sich im Vorfeld schon viel gestritten.
Während der gesamten Phase der Scheidung wohnte mein Vater noch in einem einzelnen Zimmer bei uns in der Wohnung, da er zu diesem Zeitpunkt keine Wohnung hatte.
Ich fand das toll. So war er wenigstens immer da und es war fast so wie immer.
Nur dann fand er eine Wohnung und auch die Scheidung vollzog sich.
Im Gericht wurde mir die Frage gestellt bei wem ich wohnen möchte. Ich sagte bei meiner Mutter.
Diese Zeit war furchtbar traurig, weil es vorbei war mit den üblichen Familienausflügen, an die ich mich nach wie vor so gerne zurückerinnere. Und auch den damiligen Lebensabschnittspartner meiner Mutter "akzeptierte" ich so gut es ging. Und auch mein Vater hatte eine neue Freundin gefunden. Für beide Elternteile kam nun das neue Glück. Doch was war mit mir und meiner großen Schwester. Für sie war es bereits die 2 Scheidung und sie hatte meinen Vater als ihren eigenen Vater angenommen.
Wir beide hatten große Probleme mit dem neuen Mann in dem Leben unserer Mutter. So ist vieles auseinander gebrochen.
Wir entfernten uns von unserer Mutter und auch unseren Vater haben wir nicht oft gesehen..
Für mich war der schrecklichste Augenblick bzw. die schrecklichste Folge der Scheidung die, dass erst der Kontakt von meiner Schwester zu unserer Mutter abgebrochen ist und später dann der Kontakt von meinem Vater zu meiner Mutter (aufgrund von Problemen bei der Unterhaltszahlung) Ich entschied mich nämlich dazu nicht mit meiner Mutter in die Pfalz zu ihrem neuen Lebenspartner zu ziehen, sondern in meiner Heimatstadt zu bleiben und dort bei meinem Vater zu wohnen.
Durch diesen Abbruch des Kontakts wurden meine Geburtstage in den letzten 4 Jahren getrennt gefeiert und nicht mehr in einer Familie. Und das tat und tut immer noch schrecklich weh.
Trotz der Scheidung gibt es nur Stress zwischen meinen Eltern. Vorrausgesetzt sie sprechen miteinander. Da frag ich mich doch...warum haben die sich überhaupt scheiden lassen!!!
Denise



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